Interview mit Lars von LR-Presets
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14 Feb Fotografie ist mehr als ein Hobby. Interview mit Lars Kehrel

In dem folgenden Interview habe ich mit Lars Kehrel gesprochen. Über Lars bin ich vor einiger Zeit aufmerksam geworden, als ich eine Frage zu Lightroom hatte. Seine Tutorials auf youtube kann ich daher sehr empfehlen. Hauptberuflich ist er SAP Berater und betreibt neben der People- und Hochzeitsfotografie noch einen webshop für Lightroom Trainings.

Lars, erzähl doch den Lesern kurz wie Du zur Fotografie gekommen bist?

Mein Vater war schon begeisterter Hobbyfotograf und in unseren Urlauben war seine analoge Pentax SLR ein stetiger Begleiter. Da wurde dann das 200mm auch schon mal als Fernglas für uns Kinder genutzt. Ich denke daher war eine Kamera für mich schon immer ein vertrautes Werkzeug.
2007 entdeckte ich dann flickr.com und fing an, mir ganz viele Bilder anzusehen. Für einen USA Urlaub im Herbst 2007 kaufte ich mir dann meine erste Kamera.

Deine erste Kamera?

Nichts besonderes, eine kompakte Samsung für ca. 100 Euro. Es war die Samsung S1050. Es gab eigentlich nur zwei Kriterien für mich: Bezahlbarkeit und ein manueller Modus, in dem ich Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit des Sensors einstellen konnte. Das konnte die Kamera, also wurde sie gekauft. Die Kamera liegt heute noch in meiner Schublade. Aber angeschaltet habe ich sie schon lange nicht mehr. Muss ich mal wieder probieren 😉

Was hast Du Anfangs gerne fotografiert?

Puh… Ich habe gleich mit HDR Fotos angefangen. Die waren damals besonders im Trend und ich fand das ziemlich cool. Ansonsten habe ich so ziemlich alles fotografiert, was mir vor die Linse kam. Landschaft, Makro, Street oder auch abstrakte Dinge. Nur Portraits habe ich kaum geschossen.

Ich kannte ja die ganzen tollen Bilder von flickr.com und ich wollte natürlich auch solche Fotos produzieren. Daher habe ich mich schon recht früh mit den technischeren Aspekten der Fotografie beschäftigt. Bei flickr.com gab es zu den meisten Bildern die EXIF Daten – Dadurch habe ich viel gelernt. Das führte dann aber auch zu HDR-Exzessen und zu vielem Ausprobieren. Meine kleine Kompaktkamera sah auf einem alten Stativ meines Vaters schon komisch aus 😀

(Guatemala 2009, Samsung S1050, 7,8mm - f2.8 - 12 sec - ISO 80)

(Guatemala 2009, Samsung S1050, 7,8mm – f2.8 – 12 sec – ISO 80)

Was ist bei HDR Aufnahmen wichtig zu wissen?

Der Prozess hat sich eigentlich wenig verändert. Ich mache meistens 3 oder 5 Bilder. Das mittlere ist dabei normal belichtet und die anderen Bilder jeweils über- und unterbelichtet. Durch diese Belichtungsreihe habe ich einen Dynamikumfang, der mehrere Blenden höher ist, als bei einem einzelnen Bild. Anschließend wird das Bild noch bearbeitet. Hier kann man dann sehr verschiedene Ergebnisse erzielen. Vom sehr unrealistischen super-HDR-Look bis hin zu sehr natürlichen Ergebnissen.

Am wichtigsten: Sie sollten nötig sein. Wenn ich das Bild auch gut mit einem Foto machen kann, braucht man eigentlich kein HDR. Aus einem gut geschossenem RAW kann man auch schon sehr viel herausholen.
Zum Vorgehen vielleicht noch zwei Tipps: Die einzelnen Bilder sollten so deckungsgleich wie möglich sein und ein Stativ ist sehr hilfreich. Die Unterschiede in der Helligkeit der Bilder, sollten am besten über die Belichtungszeit und nicht über die Blende oder die Sensorempfindlichkeit (ISO) gesteuert werden.

(HDR der Semper Oper, Dresden, 2014, Canon 6D, 24mm - f5 - ISO 100 - Belichtungsreihe)

(HDR der Semper Oper, Dresden, 2014, Canon 6D, 24mm – f5 – ISO 100 – Belichtungsreihe)

Was motiviert Dich dran zu bleiben?

Noch immer sind Bilder anderer Fotografen eine sehr große Motivation für mich, denn ich sehe dadurch ständig, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Man ist ja als Fotograf in einer ständigen Entwicklung und man wird darin auch sehr stark von dem geprägt, was man selber konsumiert.

Ich interessiere mich für das ganze Spektrum der Fotografie und schaue mir einfach gerne gute Fotos an. Das geht von Produktfotografien über Landschaften bis zur People-Fotografie. Ich merke dann, dass ich mich in vielen Bereichen noch sehr stark entwickeln kann. Früher dachte ich: „Irgendwann weißt Du alles über Fotografie und deine Kamera und dann bist du ein super Fotograf.“

Heute versuche ich einfach mich in den verschiedenen Aspekten weiterzubilden. Und besonders die Unterschiedlichen Herausforderungen motivieren mich. Zum Beispiel die Lichtsetzung und Inszenierung bei Produkten, das Arbeiten mit Available Light im Portrait Bereich und seid letztem Jahr neu für mich, kam auch noch die Studiofotografie hinzu.

(Hochzeitsfotografie Collage, 2015, Canon 6D, 35mm und 85mm)

(Hochzeitsfotografie Collage, 2015, Canon 6D, 35mm und 85mm)

Was fotografierst Du am liebsten?

Das ist eine super schwere Frage. Das wechselt bei mir. Im Moment würde ich sagen Portraits und Landschaftsbilder.
Bei Landschaftsfotos genieße ich die Ruhe die meistens damit verbunden ist und auch die technische Seite. Also die richtige Uhrzeit, der richtige Blick- und Bildwinkel, die optimale Blenden- und Belichtungszeitwahl und natürlich auch die Nachbearbeitung.

(Beauty-Portrait 2015, Canon 6D, 135mm - 2.0 - 1/500 sec - ISO 100)

(Beauty-Portrait 2015, Canon 6D, 135mm – 2.0 – 1/500 sec – ISO 100)

Bei Portraits liegt mein Schwerpunkt dafür viel mehr auf dem Zwischenmenschlichen. Ich rede einfach gerne mit anderen Menschen und versuche in den Bildern dann ihre Persönlichkeit festzuhalten.
Mir ist es immer wichtig, mein Gegenüber besser kennen zulernen und einen persönlichen Kontakt herzustellen. Wenn ich ein Shooting habe liegt die Kamera daher die ersten Minuten nur in der Ecke. Da wird dann erstmal ein bisschen gequatscht. Und dann kommen irgendwann die ersten Fotos. Manchmal redet man 10 Minuten und hat dann nach 2 Minuten die Bilder im Kasten.
Wenn ich später vom „Model“ gesagt bekomme: „Mein Mann/ meine Frau (etc.) findet das Bild super!“, dann weiß ich, ich habe ein gutes Portrait geschossen.

(Lifestyle-Portrait, 2015, Canon 6D, 35mm - f2 - 1/200 - ISO 100)

(Lifestyle-Portrait, 2015, Canon 6D, 35mm – f2 – 1/200 – ISO 100)

Deine Landschaftsbilder sind anspruchsvoll. Magst du mal deine Herangehensweise erzählen?

Bei diesem Bild hier musste ich als Morgenmuffel sehr früh aufstehen. Denn viele Bilder entstehen vor, zum oder kurz nach dem Sonnenaufgang. Ich habe mir auch vorher ziemlich genau überlegt, wo ich mein Stativ aufstelle und welche Blickrichtung ich wähle. Sogar die Parkmöglichkeiten habe ich noch einmal recherchiert 😀

(Heidelberg Panorama, 2015, Canon 6D, 17mm (mehrfach) - f1 - 20 sec. - ISO 200)

(Heidelberg Panorama, 2015, Canon 6D, 17mm (mehrfach) – f1 – 20 sec. – ISO 200)

Um den Blickwinkel zu erhalten habe ich dann mehrere Hochkantbilder fotografiert, die ich zu einem Panorama-Bild zusammengefügt habe. Die Bearbeitung war dann am Ende in Lightroom recht flott gemacht. Ein bisschen an der grundsätzlichen Farbstimmung drehen und dann habe ich den Kirchturm und die Brücke noch ein bisschen aufgehellt.

Wie viel Zeit in der Woche gibst Du deinem Fotobusiness?

Das ist wirklich eine Herausforderung. Mein Fotobusiness findet meistens zwischen 21.00 Uhr und 01.00 Uhr statt. Da arbeite ich an den Fotos, drehe Tutorials oder plane Shootings. Die Shootings selber sind dann auch entweder an Abenden oder am Wochenende.
Das Fotobusiness ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Auch wenn es häufig eine zusätzliche Anstrengung ist. Ich brauche den kreativen Ausgleich aber auch. Um das alles gut über die Bühne zu bekommen benötigt es natürlich auch viel Planung und gute Absprachen mit meiner Frau, besonders seit dem wir einen kleinen süßen Sohn haben. Das klappt nicht immer perfekt, aber ich habe das Glück, dass sie mich in meiner Arbeit immer unterstützt.
Seit letztem Jahr arbeite ich neben meinem Job als SAP-Berater auch gewerblich als Fotograf www.lake-photo.de. Da liegt mein Schwerpunkt auf der On-Location Hochzeits-, Portrait- und Businessfotografie. Daneben biete ich auch klassische Studio-Fotografie an.

Da ich schon seit 7 Jahren mit Lightroom arbeite und immer wieder gerne anderen dabei geholfen habe, diese tolle Software besser zu verstehen, habe ich im Winter 2014 begonnen kostenlose Lightroom Tutorials auf Youtube anzubieten.

Das Feedback darauf ist sehr gut und ich spiele mit dem Gedanken das Angebot um Workshops zu erweitern. Ein kleines Projekt passend dazu sind auch die Lightroom Presets, die ich erstelle und anbiete: link.

In welchen Bereichen bildest Du dich aktuell weiter?

In vielen. Man stolpert ja auch online hier und da über neue und spannende Dinge. Dauerbrenner sind bei mir: Bildbearbeitung, Bildgestaltung und -Komposition, Foto-Business. Zum Thema Bildbearbeitung schaue ich mir viele YouTube Tutorials an:

Calvin ist ja bekannt als Photoshopper. Hier einmal ein Beispiel, in dem er eine Einfache, aber wichtige Technik erklärt. (Dodge and Burn kann man übrigens auch in Lightroom machen)

Phlearn ist für mich die Messlatte für gute Tutorials. In diesem hier geht es um eine kleine Zahnbehandlung 😉

Photoshop Direkt ist der offizielle deutschsprachige Kanal von Adobe für die Bildbearbeitung. Die PS Direkt Sendungen werden von Krolop & Gerst produziert und sind immer wieder interessant. Hier geht es zum Beispiel auch um Lightroom.

Zum Thema Bildgestaltung nehme ich mir immer wider Zeit um Bilder, die mir gefallen einmal genauer zu betrachten und zu analysieren. Und die Frage nach der Gestaltung des eigenen Foto Businesses erörtere ich in vielen Gesprächen mit Kollegen oder besuche Workshops (zum Beispiel: http://creativebiz.de/)

Welche Fotografen inspirieren Dich heute und welche blogs liest du?

Paul Ripke. Einfach ein cooler Kerl. Polarisierend und total auf seinem eigenen Weg. Seine Bilder sind mitten drinnen und authentisch.

Steffen Böttcher ist, wie Ripke, eine sehr interessante Person. Bei ihm geht es nicht nur um gute Bilder, sondern um die Einstellung zur Fotografie und zu den Fotografierten. Seinen Portraits sieht man an, dass er es schafft, eine unheimliche Nähe zu den Porträtierten aufzubauen.

Zack Arias hat mir mit seinen Videos und Tutorials so einiges über das Blitzen im Studio beigebracht. Außerdem ist auch er ne ziemlich coole Type.

Andreas Wonisch ist einer der begnadetsten Landschaftsfotografen in Deutschland. Ich hatte schon die Freude mit ihm gemeinsam auf Tour gewesen zu sein. Jeder der Landscape mag, sollte auf jeden Fall mal bei ihm vorbei schauen.

Alexander Ehhalt kommt, wie ich, aus Heidelberg und ist ein Multitalent. Ob analoge Landschaftsfotografie, digitale High-End Produktfotos oder Business-Portraits.

fstoppers.com ist der Fotoblog, der bei mir jeden Tag mindestens einmal aufgerufen wird. Die neuesten News aus dem Business und viele interessante Artikel rund um Fotografie und Bearbeitung. Hier sieht man, dass die US-amerikanische Foto-Szene uns meistens schon ein Stückchen voraus ist 😉

slrlounge.com ist fstoppers sehr ähnlich, aber auch immer einen Blick wert.

Carmen und Ingo sind für mich DIE Hochzeitsfotografen in Deutschland. Sie sind eine super Mischung aus sympathischen Menschen und tollen Fotografen. Ihr Blog ist einfach Inspiration.

Welche 5 Tipps würdest Du einen Foto Einsteiger geben?

Suche aktiv Inspiration und schaue dir alle Bilder der Fotografen an, die du toll findest.

Analysiere deine Favoriten: Warum gefallen gerade diese Bilder dir?Lerne die technischen Grundlagen am Anfang, damit du später nicht mehr damit zu kämpfen hast.

Bleibe nicht stehen in der Entwicklung, sondern betrete neue Wege. Du bist immer nur so gut, wie dein letztes Bild.

Verstehe die Fotografie als komplexen Prozess: Inspiration durch visuellen Konsum -> Bilder entstehen im Kopf -> Planung des Shootings -> Auslöser drücken -> Sacken lassen -> Bilder auswählen -> Nachbearbeitung -> digitale oder analoge Ausgabe des Fotos -> Konsum des fertigen Bildes.

Auch mit einer einfachen Ausrüstung kann man sensationelle Bilder machen!

Die wichtigste Grundlage ist die Freude an der Fotografie. Es gibt Leute, die von Technik null Ahnung haben aber geile Fotos machen.

Danke Lars für deine Zeit und Inspiration!
Bitte 😉

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